Licht- und Schattenwelten (2018/2019)
„Begleitbilder“ zu dem Konzertprogramm Gullivers Reisen

Einführung I Kunstprojekt 2. Klasse I Gesellschaftliche Bedeutung I Presse


„Begleitbilder“ zu dem Konzertprogramm Gullivers Reisen

„Licht und Schatten“ thematisiere ich in der Musik und auch in den Bildern, deren Gestaltung mich bei der Komposition von „Gullivers Reisen“ begleitet hat.
Während ich mich in der Entwicklung des Konzertprogramms entsprechend meinem Ausgangspunkt (das fiktive Liliput ist scheinbar real) bewusst im Grenzbereich zwischen Tatsache und Fiktion bewegte, kamen die Begleitbilder zum Programm dagegen ohne märchenhaftes Drumherum aus. Tiefseetiere (Wesen aus „Schattenwelten“) sind in natura schon derart unglaublich, dass ich es nicht nötig fand, „sie neu zu erfinden“. Mit der Zusammenstellung der Farben transportiere ich „Licht und Schatten“ „von innen nach außen“. Nicht zuletzt offenbart sich auf meinen Bildern, dass Licht und Schatten nicht wirklich getrennt voneinander auftreten: ob im Vorder- oder im Hintergrund, es ist immer beides zu sehen, das eine verdeutlicht das andere. Nur am Rande zeige ich „Licht und Schatten“ als scharfen Kontrast, der die Welt ohne weitere Zwischentöne in schwarz oder weiß taucht (in Papierarbeiten). Statt eines „unversöhnlichen“ Gegenübers ohne Gemeinsamkeiten interessieren mich mehr die Übergänge von Licht zu Schatten (von Tag zu Nacht), die unscharfen Zwischentöne, das Miteinander im Dialog.
Um mich in das Thema zu vertiefen, habe ich besonders viel in Serien gearbeitet. Von diesen Serien zeige ich aufgrund der nachträglichen Schwerpunktsetzung auf Licht und Schatten in Wasser-Landschaften nur die als letztes entstandene „Welle“ komplett. Ich begann mit Schattenwürfen vom Straßenrand: Auf der Suche nach Vorlagen, die das Thema Schatten bedienen, entsann ich mich einer Fotoserie zu Schattenwürfen von Gräsern, die ich drei Jahre zuvor im Sommer im Allgäu aufgenommen hatte, mit der Absicht, später „mal daraus zu machen“. Da ich außerdem „Licht auf Wasser“ malen wollte, stellte ich den Schattenwurf-Bildern Fotos von Wasser-Landschaften an die Seite.
Alle Serien tauglichen Vorlagen kopierte ich ins Schwarz-Weiße, leitete daraus als leere Umrisse gemalte Skizzen ab und verwandelte diese durch bunte Farbgebung „vom Schatten- zum Lichtbild“. Die Motive veränderten damit sozusagen ihren eigenen Standort, nicht zuletzt weil ich sie zum Teil, der spannenderen Umdeutung wegen, auf den Kopf gestellt habe. In den Serien und Einzelbildern folgte ich bewusst der Strategie, frei mit Farbe umzugehen, mich nicht genau an die Natur zu halten, sondern innerhalb der Motive die Farben und Farbkombinationen „nach Gefühl“ einzusetzen. Die Ausstellung zeigt zusammen mit Linolschnitten und Papierarbeiten nur 24 von über 44 Bildern auf Seide, Papier und Leinwand, um den Rahmen der Ausstellung nicht zu sprengen.

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Kunstprojekt für Zweitklässler

Zur Vorbereitung des Kunstprojekts für Zweitklässler, das ich 2019 zum zweiten Mal im Kunstraum der Grundschule Kleinsteinbach angeboten habe, probierte ich selbst verschiedene Ideen und Gestaltungstechniken aus, bevor ich mich entschied, was ich mit den Kindern gemeinsam machen wollte. Stehen blieben schließlich die Stundenthemen „Unterwasserschattentheater“, „marmoriertes Papier/versunkene Schiffe“ und „Monsterfische aus Ton“. Der Einstieg wurde den Teilnehmern wie im Vorjahr durch von mir zur Verfügung gestellte Vorlagen und Materialien erleichtert. Dabei verfolgte ich immer auch das Ziel, aus der Arbeit mit persönlich zusammengestellten Vorlagen und Materialien eigene Ideen sich entwickeln zu lassen. Die Erfahrung, dass in der Gestaltung mit intuitiver Offenheit der Zufall eine Rolle spielen darf, konnte im Prozess des Marmorierens gemacht werden. Angeregt werden sollte auch das innere Miterleben mithilfe des „Abenteuer-Faktors“, den Monsterfische, versunkene Schätze und lebendig veränderliche Schattenwürfe vor dem Licht der Taschenlampe von sich aus transportieren.

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Die Arbeit mit Kontrasten und Festlegung der Form

Das Bildthema Licht-und-Schatten spielt mit Kontrasten, die ich auf verschiedene Weise anlegt habe: so findet sich

durchsichtiges und opakes,
farbiges und farbloses,
schwarzes und weißes,
großes und kleines.

Licht und Schatten sind von Natur aus nicht statisch.
Ich habe sie festgehalten, indem ich sie eingefangen habe.

Gesellschaftliche Bedeutung

Mich reizte das Thema Licht und Schatten auch, weil es gesellschaftlich gesehen den Positionen von Menschen entspricht, die sich beinah unsichtbar im Hintergrund oder deutlich sichtbar vorne auf der Bühne aufhalten. Einige wenige stehen ständig im Licht, die meisten treten nicht so weit aus dem Schatten hervor, dass sie „jedermann“ sichtbar würden. Stellvertretend hierfür betrachtet die Ausstellung Meeresbewohner im Aquarium „bei Licht“ aus der Nähe, doch zum größten Teil in ihrem üblichen Schattenumfeld, da sie sich in der Regel dort aufhalten, wo das Meer dunkel und tief ist. Die Tiefsee ist bis heute in Teilen unerforscht und geheimnisvoll geblieben.

Der Schriftsteller Günter Kunert vergleicht die ewige Dunkelheit der Weltmeere mit den seelischen Bereichen, die einem Menschen selbst noch unbekannt geblieben sind: Hier wie dort taucht ab und zu etwas Neues daraus auf und wird vermessen und kategorisiert…

Meine Tiefseetiere sind „aus dem Dunkel der Seele“ ans Licht gekommen oder zeigen sich entsprechend ihrer Herkunft gern vor schwarzer Leinwand.

Nicht zuletzt sind Schnecken, Tintenfische und Quallen faszinierende Lebewesen. Schnecken gehören zu den ältesten Lebewesen auf der Erde. Oft finden sich Ammoniten auch in versteinerter Form.
Während der Tintenfisch mit der Schnecke verwandt ist und ein inneres Gehäuse hat, bestehen die Quallen zu 98 % aus Wasser.
Manche leuchten wie Laternen, manche sind durchsichtig, manche sind nur 5 mm groß und manche wiegen 200 kg. Letztere Tierarten fressen kleine Fische und Krebse, deswegen nennt man sie „Räuber“, so wie den anscheinend unvermeidlichen Berufsstand, der ganz bewusst das Licht meidet und sich absichtlich dort aufhält, wo er nicht gesehen werden kann in dem, was er tut.

Am Meeresgrund ist außer diesen spannenden Tieren auch so mancher Schatz verborgen und es liegt dort mehr als das eine versunkene Schiff, das ich exemplarisch in die Sammlung mit aufgenommen habe.

Das Thema Licht und Schatten beschäftigt mich seit langem. So habe ich schon vor vielen Jahren in drei Gedichten diesem Thema Form gegeben, in der Vorstellung, in jedem Menschen selbst sei beides vorhanden: Licht und Schatten.

I

Stärke mein Feuer, um mich zu erkennen.
Stärke mein Feuer, um Form mir zu brennen.
Feuer, das lodert, um Schatten zu wandeln.
Feuer, das Sicht gibt, um lichtvoll zu handeln.

II

In der Abenddämmerung
schattenlos
schreite ich voran.
Selbstlos bin ich Weg.

Im Morgengrauen
Schatten werfendes Selbst vor mir.
Hinter mir:
die Quelle des Lichts.

III

Ich stand in meinem Rahmen,
sah in die Welt hinaus
und kannte nur die Namen von
schwarz und weiß, und aus.
Doch eines Tages trieb es
mich neugierig und wild,
zu treten aus dem Rahmen
und anzuschau‘n mein Bild.
Ich fand es schrecklich staubig,
es trübte sich mein Blick
und Tränen nass ich putzte
es blank und ging zurück.
Und stand wieder im Rahmen,
sah in die Welt hinein,
und Farben die da kamen,
zog ich zu mir herein.
Von Nähe und von Ferne,
das Rot, das Grün, das Blau,
ich hab‘ sie alle gerne,
das weiß ich ganz genau.
Ob frisch, ob matt, ob welk sie,
ob glänzend gold und gelb sie,
sie füllen meinen Bauch,
und diese: schmeckt mir auch!

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BNN 3. Juni 2019

Licht- und Schattenwelten

Arbeiten auf Seide und Leinwand der Pfinztaler Künstlerin Kathrin Beddig

Die Pfinztaler Künstlerin Kathrin Beddig gibt ihren Arbeiten Jahresthemen. So 2018 „Der Löwe ist los“, während 2019 „Gullivers Reisen“ der rote Faden sind. Im Bürgerhaus Söllingen wurden unter der Überschrift „Licht- und Schattenwelten“ 24 Arbeiten auf Seide und Leinwand sowie Papiercollagen gezeigt. Damit versucht Kathrin Beddig das Jahresthema Kindern im Vorschulalter nahe zu bringen. Diese Begleitbilder hatten den thematischen Schwerpunkt in „Licht- und Schattenerscheinungen“ der (Unter-)Wasserwelt. Mehrere Kindergärten aus Pfinztal und Grötzingen kamen zu Exkursionen ins Bürgerhaus. Start war in einem zum „Schattenraum“ umgestalteten Bereich mit einem 50 mal 50 cm großen „Unterwasserschattentheater“, das zeigte, wie hinein gehängte dunkle Konturen im Lichtspot ihre Größe veränderten, besonders eindrücklich bei Erscheinen der Silhouette des Haifisches, der mit weit aufgerissenem Maul „heran schwamm“ sowie ein Taucher der sich auf das als Kulisse dargestellte Schiffswrack zubewegte. Auch war ein Tisch mit Requisiten aufgebaut. Sortiert werden sollten „Licht- und Schattenfarben“, Licht und Schatten im Innern und Außen beobachtet und gefühlt sowie Lichtspiegelungen auf dem Wasser und selbstleuchtende Tiere erkannt werden. Auch ermunterte die gemalte (und tatsächlich existierende) Erdbeerkrake zu neuen Wortschöpfungen und der Überlegung „Wie würde wohl eine Gurkenkrake oder eine Bananenkrake aussehen?“. Insbesondere ging es Kathrin Beddig darum, die Leuchtkraft von Farben im eigenen Tätigsein zu erfahren. Zuletzt durften die Kleinen selbst aktiv werden und mit Wachsmalstiften auf schwarzem Papier und selbstklebenden Glitzerstreifen „leuchtende Kraken“ herstellen.

Service

Bis 1. August kann die Ausstellung „Licht- und Schattenwelten“ mit Mitmachprogramm in der Musikschule „Flötenfloh“, Feldbergstr. 32, Kleinsteinbach besucht werden. Neu ist ein mobiles Angebot für Kindergärten der Region (ebenfalls bis 1. August). Infos uns Anmeldung: Telefon (07240) 8447.

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Pfinztal aktuell,
Amtsblatt der Gemeinde Pfinztal 4. Juli 2019

(veröffentlicht vom Louise-Scheppler-Kindergarten Berghausen
zu der Ausstellung „Licht- und Schattenwelten“ im Bürgerhaus)

An einem Mittwoch im Mai machten sich die Füchse auf den Weg nach Söllingen zur Ausstellung von Frau Beddig. Mit der Straßenbahn fuhren wir bis zum Bahnhof in Söllingen und von dort waren es nur wenige Minuten zum Bürgerhaus. Dort angekommen wurden wir von Frau Beddig begrüßt und direkt in den „Schattenraum“ geführt. Hier tauchten wir ein in die Schattenwelt des Meeres. Im Schattentheater begegneten uns verschiedene Arten von Meerestieren wie Seepferdchen, Tintenfisch und andere Wassertiere. Je nachdem wie nah eine Figur an der Projektionsfläche vorbeigeführt wurde, konnte man beobachten, wie sie sich vergrößerte oder verkleinerte. Im Raum nebenan konnten wir die ausgestellten Licht- und Schattenbilder mit Meeresmotiven betrachten. Hier hatten wir die Aufgabe, verschiedene Meerestiere auf den jeweiligen Bildern zu finden. Bei manchen Bildern konnte man die Tiere sofort erkennen, andere waren richtig gut versteckt. Gemeinsam betrachteten wir die verschiedenen Bilder mit ihren Licht- und Schattenseiten: das Spiegeln der Sonne auf dem Wasser oder die Dunkelheit unter dem Wasser ….. In einem Nebenraum konnte anschließend jeder seine künstlerische Seite zeigen: auf schwarzem Papier entstanden mit Buntstiften ganz individuelle und bunte Haie und schillernde glitzernde Quallen. Mt vielen neuen Eindrücken und einem großen Dankeschön haben wir uns von Frau Beddig verabschiedet und mit unseren selbst gestalteten Meerestieren ging es wieder zurück in den Kindergarten.

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